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ISG Übungen

ISG Übungen bei Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Sind nur Übungen, Physiotherapie, Osteopathie, Yoga, Pilates, etc., der Weg um Schmerzen im Iliosakralgelenk ursächlich zu behandeln? Diese Frage kann man nicht einfach mit einem simplen "ja" oder "nein" beantworten!

Das jetzt immer besser verstandene Iliosakralgelenk ISG rückt - als Schaltstelle zwischen Rücken und Beinen - zunehmend in den Mittelpunkt vielfältiger medizinischer Interessen. In der Sportmedizin als Zentrum der aufrechten Leistungsfähigheit von Hüfte und Rücken. In der Rheumatologie als spezifische Ursache von teilweise massiv einschränkenden entzündlichen unteren Rückenschmerzen, Hüftschmerzen und Ischialgien.

Das Iliosakralgelenk ISG mit dem Steißbein, seinen Faszien und feinen Nervengeflechten: eine Quelle von Bewegungs- Lust & Frust...!

Die unterschiedlichen ISG-Syndrome rücken zunehmend in den Mittelpunkt einer differenzierten Diagnostik. Denn nur so können auch ursächlich gezielte, differenzierte Therapien erfolgen. Der verständliche Wunsch, allein mit ein paar ISG-Übungen, Yoga/Joga, Osteopathie, Physio-Pilates ein sicher diagnostiziertes ISG-Syndrom oder ein Piriformissyndrom "wieder in den Griff bekommen", ist in der täglichen Praxis ein ständiges Thema: das mediale Angebot an mehr-oder-weniger simplen ISG-Übungen zur Lösung einer ISG-Blockade und zur Stabilisierung des ISG wächst mittlerweile ins fast Unermessliche, weckt leider oft recht übertriebene und deshalb schließlich auch immer wieder sehr enttäuschende Hoffnungen.

Sicher: auch Übungen können für das Iliosakralgelenk ISG, seine starken ISG -Faszien, die Coremuskeln Ilio-Psoas und Piriformis können - am besten aber immer im Kontext der Sensomotorik - mit in Betracht gezogen werden. 

Jedoch: bei einem bereits ständig schmerzhaften, entzündlich überrreizten ISG-Syndrom, einer ISG-Arthritis / Enthesitis der ISG-Faszien und ISG-Knochenrinden, einer Sakroiliitis und Spondyloarthritis des ISG selbst sollten einige Fakten berücksichtigt werden, um durch Übereifer nicht doch das genaue Gegenteil dessen, was bezweckt wurde, zu bewirken; und auch bei einer ISG-Arthrose der iliosakralen inneren Hüfte mit hier meist rasch fortschreitend vernarbenden ISG-& Wirbelfacetten-Arthromyofibrosen besteht diese Gefahr. Die Gefahr, dass sich in den ISG-Faszien samt ihren Verankerungen in den Knochenrinden von Kreuzbein, Steißbein und Darmbeinen durch nicht angemessene ISG-Übungen in den sensiblen tiefen Faszien und Nervengeflechten schließlich doch irreversible, bleibende, chronisch schmerzhafte Schäden entwickeln.

Rheumatische Entzündungen im Iliosakralgelenk des unteren Rückens und der Hüfte bedürfen einer möglichst spezifischen Therapie unter Berücksichtigung rheumatologisch immunreaktiver Gesichtspunkte. Das gilt selbstverständlich auch für die immunreaktiv entzündlich bedingten Bandscheibenschmerzen. Auch die oft ebenfalls schmerzhaft immunreaktiv aktivierten Bandscheiben und inneren Faszien im Spinalkanal und um die Lendenwirbelsäule sollten deshalb schon rechtzeitig erkannt und (mit-)behandelt werden. 

Die Ursache von Schmerzen ist letztlich immer eine immunreaktive Überreizung von Nerven- & Bindegewebe, eine medizinisch-biologisch definierte Reaktion im Körper. Das Symptom Schmerz immer auch eines der klassischen Symptome einer Entzündung - etwa durch ein spezifisches Immun-Rheuma, aber auch durch eine akute oder chronische mechanische feingeweblichen Überforderung von Faszien und Knochenrinden.

"Sitzen ist das neue Rauchen": wir überfordern die Strukturen des Lenden- Becken- Hüftbereich nicht nur im Hinblick auf die Faszien und Coremuskeln, sondern vor allem auch im Hinblick auf das mit diesen Strukturen sehr eng verwobenen feingeweblich regulativen vegetativ autonomen Nervensystem - also dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Die schwer zugänglichen inneren Faszien in der und um die Lendenwirbelsäule mit den Bandscheiben, dem Kreuzbein und dem Steißbeinsin zusammen mit dem Psoas- und dem Piriformis die eigentlichen Garanten unserer Vitalität im Bereich der Hüften und des Beckens.

Die noch recht junge Wissenschaft der Psychoneuroendokrinologie konnte jetzt eindrucksvoll aufzeigen, dass eine schwelende Entzündung/Gewebsreizung in einer anatomischen Struktur  stets auch den gesamten Körper betrifft. Die Kontrolle solcher schwelender Entzündungen kostet zusätzliche Energien aus den Mitochondrien,  führt deshalb meist auch zu einem allgemeinem Unwohlsein, zu schlechtem Schlaf, schneller Erschöpfbarkeit und sogar zu depressiven Symptomen. Solche Auswirkungen einer biologisch überreizten myofaszialen Struktur auf die Stimmung und Leistungsfähigkeit sollten wohl nicht allein mit Psychotherapie, Psychopharmaka und Nahrungsergänzungsmitteln therapiert werden.

Sympathikus und Parasympathikus / Vagus regeln in Verbindung mit dem Hormonsystem zudem die innere Körperspannung, die Durchblutung von Muskeln, Faszien und auch der Organe des Bauches und des Beckens. Längeres Sitzen lässt das komplex verwobene myofaszial-neurovegetativ-immunologische System unterer Rücken und iliosakrale innere Hüfte ständig weiter dekompensieren. Aber auch ruhiges Stehen auf ein ein und der selben Stelle bringt nicht wirklich viel mehr Vorteile, keinen wirklichen bioregulativen Trainings-Input.

Speziell bei einem ISG-Rheuma (Sakroiilitis) ist durch die immunpathogene Entzündung hinsichtlich allzu großem Übungseifer eine ganz besonders große Vorsicht geboten. Durch eine weitere intensive "Stressung" sollte das Regulationssystem nicht doch noch chronisch weiter dekompensieren, einer am Ende schließlich definitiv chronifizierten myofaszialen Vernarbung (Fibrose, bzw. Fibrositis) durch unangebrachte, zu intensive Übungen nicht zusätzlich weiter Vorschub geleistet werden. 

Sanftes Yoga bei milden immunpathogenen entzündlichen Reizungen ist im Gegensatz zu intensiveren sonstigen passiven Dehnungen und sonstigen passiven Manipulationen der Muskeln und Faszien zwar grundsätzlich zu befürworten. Yoga (Joga) kennt ja viele verschiedene Schulrichtungen. Bei einer schmerzhaften Faszien-/Bindegewebsüberreizung, einer rheumatischen ISG-Knochenrindenentzündung (enthesitischen Sakroillitis) im entzündlichen Schub könnten manche Übungen die Faszien nachhaltig dekompensieren lassen, indem sie nämlich den Entzündungsprozess eventuell sogar zusätzlich nachteilig stimulieren. 

Personalisierte Übungen und physikalische Anwendungen zum Training des neurovegetativen Regulations-Systems und der Corestability sind dagegen meistens eine sehr gute Option. Aber auch sie sollten während eines entzündlichen rheumatischen Schubes wohldosiert, eben individuell personalisiert angepasst erfolgen.

Faszienrollen erreichen die tiefen Faszien des Iliosakralgelenks ISG, die periostalen Knochenrinden der Hüften und die inneren Faszien des unteren Rückens in der Lendenwirbelsäule, des Spinalkanals und des Steißbeins glücklicherweise zwar nie. Trotzdem: bei einer Entzündung durch immunpathogenes Rheuma oder bei einer immunpathogenen aktivierten Arthrose (Arthritis, Osteoarthritis) und Bandscheibe (Osteochondrose/Diskose mit Spondylose) sind sämtliche Faszienrollen keine wirklich empfehlenswerte Therapieoption.

Vor dem Beginn von "Übungen" für eine sogenannte ISG-("Schutz-")Blockade sollte also stets auch die Möglichkeit eines immunreaktiven Entzündungsgeschehens im Bereich des unteren Rückens und der inneren Hüfte mit den tiefen myofaszialen und neurovegetativen Strukturen bedacht werden. Ein durch eine immunrheumatische Entzündung schmerzendes Iliosakral-/Kreuzdarmbeingelenk mit reaktiv spastisch verkrampften Piriformis physiotherapeutisch, chirotherapeutisch oder osteopathisch zu "mobilisieren" kann nicht empfohlen werden, sind bei einer aktiven rheumatischen Sakroillitis (wie z.B. bei der Frühform einer nur im Kernspin MRT zu erkennenden und mittels spezieller Blutwerte weiter zu analysierenden "nr-axSpa") eher sogar kontraindiziert.

Selbst bei einer Instabilität mit ISG-Blockade / Piriformisspasmus durch Osteo-Arthrose oder Osteo-Arthritis (Rheuma) ist bei fehlenden das ISG muskulär ausreichend zur Stabilisierung fähiger Strukturen sowieso keine wirklich örtlich effektive Muskelaufbau-Übung denkbar. Sämtliche das ISG mobilisierenden Dehnübungen können bei einer ISG-Irritation wie auch einer rheumatischen Sakroiliitis die Instablität mit Ausbildung einer chronischen ISG-Blockade sogar weiter fördern.

Bilder Iliosakralgelenk

Jedes ISG-Syndrom hat mit zunehmender Dauer zunehmende unliebsame Auswirkungen auf die Lebensqualität, auf den Beruf, die Freizeit und leider auch auf die Partnerschaft. Früherkennung und frühe gezielte, ursächliche Therapie ist deshalb immer unabdingbar.

Die Rheumatologie hat in den vergangenen Jahren fantastische Fortschritte in der Frühdiagnostik auch von Rheuma des Rückens einschließlich der Bandscheiben und der Wirbel- und Kreuzdarmbeingelenke sowie der tiefen periostalen Knochenrinden und Faszien gemacht. Doch ist die Frühdiagnose nur in speziellen Kernspins MRTs und mittels serologischer Labortests durch rheumatologisch bestmöglich kompetente Fachärzte zu sichern.

Die Pharmaindustrie wiederum hat sehr teure wirksame medikamentöse Therapien (Biologicals) gegen entzündliches Rheuma entwickelt. Dabei wird jetzt allerdings zunehmend klar, dass die traditionelle bisherige Trennung zwischen einer degenerativen Arthrose mit rezidivierenden Aktivierungen und den bislang als primär rheumatisch klassifizierten Arthritiden, sowie zwischen einer primär degenerativen Faszien-Fibrose und einer primär rheumatischen Faszien-Fibrositis zu simpel war. Durch diese neuen Erkenntnisse werden die bisherigen Vorstellungen von einer ISG-Instabilität, einer ISG-Blockade und einer hiergegen gerichteten ISG-Therapie mittels ISG-Übungen durch Physiotherapie und ISG-Fusion durch Chirurgie noch deutliche Korrekturen, d.h. noch sehr "disruptive" Neuausrichtungen erfahren müssen.

Bitte beachten Sie, daß diese Patienteninformationen in keinem Fall den persönlichen Kontakt zu einem Facharzt Ihres Vertrauens zu ersetzen vermag! Sie sollen lediglich eine breitere Basis zum Verständnis für weiterführende Maßnahmen in einer fachärztlichen Praxis schaffen! Zu Indikation, Risiken und Nebenwirkungen einer Therapie kann nur ein Facharzt Ihres Vertrauens bei einem persönlichen Kontakt rechtsverbindlich informieren!


Im Team stark! Spezialisten für Bandscheibe, ISG und Steißbein

Durch Kooperationen mit spezialisierten Kliniken und Fachärzten aus Oberschwaben, dem Allgäu und der Bodensee Region wird die Versorgung der Patienten mit Bandscheibenvorfall, Iliosakralsyndrom, Facettensyndrom, Hexenschuss, Spinalkanalstenose, Rheuma, Arthrose oder Ischias ständig verbessert. Das Einzugsgebiet für auserwählte Kooperationen umfasst Kliniken und andere Spezialisten in ganz Süddeutschland.