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ISG Übungen

Welche ISG-Übungen bei Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Sind Übungen wirklich der richtige Weg, um ISG-Blockaden ursächlich zu behandeln? Diese Frage lässt sich  nicht einfach mit einem simplen "Ja" oder "Nein" beantworten!

Für die iliosakrale Knochenspalte ISG zwischen Rücken, Becken, Hüften und Oberschenkeln ist Sitzen extrem schädlich. Für die ISG-Faszien mit ihrer Matrix, ihren Fasern und Zellen ist Sitzen mindestens so schädlich wie das Rauchen: "Sitzen ist das neue Rauchen". 

Wie lange sind Sie jeden Tag objektiv tatsächlich auf beiden Beinen in Bewegung - und wie viele Stunden sitzen, stehen oder liegen Sie? Es zählen täglich die ganzen 24 Stunden!

Längeres Sitzen, aber auch längeres Stehen und Liegen führen zu einem relativen Stillstand im Stoffwechsel der Faszien mit Verschlackungen, Entzündungen und Vernarbungen vor allem auch der Faszien des Iliosakralgelenkes ISG. Aber nicht nur die mächtigen Faszien, die das Kreuzbein und das Steißbein mit dem linken und dem rechten Darmbein verbinden, sind dafür verantwortlich zu machen. Das eigentliche Geheimnis des schmerzhaften ISG-Syndroms in der iliosakralen Knochenfuge offenbart sich, wenn die Biologie der Strukturen vor dem Kreuzbein und dem Steißbein mit in den Focus gerückt wird. Die Biologie der tieferen, inneren Faszien vor und in der unteren Wirbelsäule samt dem Kreuz- und Steißbein mit ihren sehr intensiven neurovegetativen Verschaltungen zu den tiefen Coremuskeln Piriformis und Ilio-Psoas. Ständige Immobilität, ständige Fehlbelastungen und Fehlsteuerungen können zu Faszien- und Nervenentzündungen mit sogar weiter reichenden und irgendwann dauerhaft irreversiblen strukturellen und funktionsbiologischen Schäden für den gesamten Organismus führen. Zu einer chronisch schwelenden, neurovegetativ-myofaszialen Entzündung im Becken, in den Lenden und den Hüften.

Nächtliche und frühmorgendliche tiefe Rückenschmerzen und Hüftschmerzen sind die wichtigsten Symptome von rheumatischen arthritischen und aktivierten arthrotischen Iliosakralsyndromen. 

Sind selbst bei solchen ISG-Syndromen regelmäßige Termine in einer Physio-Praxis, die aktive Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio, ein Personal Trainer oder ein paar relativ leicht zu erlernende Dehn-Übungen die beste Lösung?

Genügen selbst dann vielleicht ein paar einfache ISG-Übungen aus den Medien? Oder können manche Übungen sogar schädlich sein, die Chronifizierung der "ISG-Blockade" weiter fördern? Was ist auch zeitsparend  zumindest unterstützend sinnvoll - nach/zwischen den vielen Stunden des Sitzens: vor dem PC, hinter dem Steuer oder auch eben sonst auf Stuhl, Sessel und Sofa?! 

Und schließlich: was hilft doch noch, wenn sämtliche bisherigen Übungen, Dehnungen und Kräftigungen eigentlich nie wirklich nachhaltig erfolgreich sind, wenn die Odyssee einfach nicht dauerhaft zu Ende gehen will? Haben (hatten...) die überall sich aufdrängenden Dehn- und Kräftigungsübungen überhaupt eine Chance, auch immunreaktiv entzündlich überreizte Knochenrinden und tief innere Faszien - ohne eventuell sogar schädliche zusätzliche chronifizierende Fehlanreize - wieder zu kurieren?

Um bei der Grundsatzfrage nach dem Sinn/Nutzen oder Unsinn/Schaden von ISG-Übungen besser mit entscheiden zu können, sollte den ISG-Patientinnen und ISG-Patienten, natürlich auch den Trainern und Therapeuten selbst, ein vertieftes Grundwissen über die natürliche Biologie und die schmerzhafte Pathologie des unteren, lumbosakralen Rückens mit der inneren, iliosakralen Hüfte zur Verfügung stehen:

Das Becken- oder Iliosakralgelenk ISG ist unsere eigentliche Körpermitte, das eigentliche Core-Zentrum, die wichtigste Schaltstelle im Zentrum der Faszien zwischen Rücken/Wirbelsäule und Hüft-, Knie- & Fußgelenken. Seine Funktionen erfüllt es in allerengster Interaktion auch mit dem Nerven-, Hormon- und Immunsystem. Das komplizierte Iliosakralgelenk ISG beginnt auch in der Medizin die bisherige Dominanz von Bandscheibe und stabilem Rücken durch reine Muskelkraft zurück zu drängen. Das Kreuzbein zwischen den Darmbeinen ist in den Focus vieler Blickwinkel und Interessen gerückt: 

- In der Sportmedizin ist das ISG mittlerweile als das Relais-Zentrum der zu optimierenden Leistungsfähigheit von Hüfte und Rücken.

- Im Yoga / Joga betreffen viele der Asanas zur Erhaltung und Steigerung der Körperselbstwahrnehmung und des inneren Wohlbefindens in "der Mitte des Körpers" bei genauerer Betrachtung die Strukturen des ISG.

- In der Rheumatologie und Schmerzmedizin ist das ISG und seine tiefen Faszien, die mit der Bandscheibe und dem Rückenmarks-/Spinalkanal in engster Verbindung stehen, die wohl wichtigste Ursache entzündlichen unteren Rücken-, Hüft- und Ischias-Schmerzen.

Das Iliosakralgelenk ISG mit dem Steißbein, den Faszien und ihren feinen Nervengeflechten ist eine, wenn nicht sogar die wichtigste, Quelle von (Lebens- und Bewegungs-) Lust & Frust!

Der verständliche Wunsch, eine quälende ISG-Blockade oder ein Piriformissyndrom allein mit ein paar ISG-Übungen, Yoga/Joga, Osteopathie, Physio-Pilates "wieder in den Griff bekommen", ist in der täglichen Praxis ein zwar verständliches, sich ständig wiederholendes Thema. Das mediale Angebot an mehr-oder-weniger simplen ISG-Übungen zur Lösung einer ISG-Blockade und zur Stabilisierung des ISG wächst mittlerweile ins fast Unermessliche. Diese Marketing-Trommelfeuer für immer nochmals neue Angebote an ISG-Übungen wecken natürlich auch übertriebene Hoffnungen.

Übungen für das Iliosakralgelenk ISG, seine starken ISG -Faszien mit den den Coremuskeln Ilio-Psoas und Piriformis sollten immer im Kontext der Sensomotorik in Betracht gezogen werden:

sensomotorische Kompetenz = Corestability ist jedoch keine Sache der Kraft und Statik, keine Sache von "mobilisierenden Dehnübungen", von "Kraftaubau der Bauchdecken" sondern eine Sache der zu optimierenden inneren Selbstwahrnehmung und Reagibilität. Das spezielle sensomotorische 4D-Training der Corestability erfordert auch die Berücksichtigung einiger sehr wesentlicher biomedizinischer Aspekte.

Bei einem bereits ständig schmerzhaften, entzündlich überrreizten ISG-Syndrom, bei einer aktivierten ISG-Arthrose oder gar einer ISG-Arthritis mit heftiger Enthesitis der ISG-Faszien und ISG-Knochenrinden, bei einer Sakroiliitis und Spondyloarthritis des ISG sollten unbedingt weitere wichtige Fakten berücksichtigt werden: um durch Übereifer nicht das Gegenteil dessen, was bezweckt wurde, zu bewirken. Selbst bei einer ISG-Arthrose der inneren Hüfte mit oft schnell fortschreitend vernarbenden ISG-& Wirbelfacetten-Arthromyofibrosen besteht diese Gefahr. Das Risiko, dass sich in den ISG-Faszien und in den Knochenrinden von Kreuzbein, Steißbein und Darmbeinen durch nicht angemessene, überfordernde ISG-Übungen dauerhafte ISG-Schäden entwickeln.

ISG-Schmerzen benötigen häufig zunächst eine spezifische Therapie unter Berücksichtigung rheumatologisch immunreaktiver Gesichtspunkte genau so wie viele der immunreaktiv bedingten Bandscheibenschmerzen. 

Die biologische Ursache aller unterer Rückenschmerzen ist letztlich immer eine Immunreaktion von Nerven- & Bindegewebe des spezifischen Funktionskomplexes, aeine medizinisch biologisch definierte komplexe Reaktion des Körpers. Schmerz ist eines der fünf klassischen Symptome einer Entzündung, etwa durch Rheuma und Arthrose, oder durch eine akute oder chronische spezifisch histo-mechanische feingewebliche Überforderung von Faszien, Knochenrinden und Muskelhüllen.

"Sitzen ist das neue Rauchen": wir überfordern die Strukturen des Lenden- Becken- Hüftbereich nicht nur im Hinblick auf die Faszien und Coremuskeln, sondern vor allem auch im Hinblick auf das mit diesen Strukturen sehr eng verwobenen feingeweblich regulativen vegetativ autonomen Nervensystem - also dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Die schwer zugänglichen inneren Faszien in der und um die Lendenwirbelsäule mit den Bandscheiben, dem Kreuzbein und dem Steißbeinsin zusammen mit dem Psoas- und dem Piriformis die eigentlichen Garanten unserer Vitalität im Bereich der Hüften und des Beckens.

Die noch recht junge Wissenschaft der Psychoneuroendokrinologie konnte jetzt eindrucksvoll aufzeigen, dass eine schwelende Entzündung/Gewebsreizung in einer anatomischen Struktur  stets auch den gesamten Körper betrifft. Die Kontrolle solcher schwelender Entzündungen kostet zusätzliche Energien aus den Mitochondrien,  führt deshalb meist auch zu einem allgemeinem Unwohlsein, zu schlechtem Schlaf, schneller Erschöpfbarkeit und sogar zu depressiven Symptomen. Solche Auswirkungen einer biologisch überreizten myofaszialen Struktur auf die Stimmung und Leistungsfähigkeit sollten wohl nicht allein mit Psychotherapie, Psychopharmaka und Nahrungsergänzungsmitteln therapiert werden.

Sympathikus und Parasympathikus / Vagus regeln in Verbindung mit dem Hormonsystem zudem die innere Körperspannung, die Durchblutung von Muskeln, Faszien und auch der Organe des Bauches und des Beckens. Längeres Sitzen lässt das komplex verwobene myofaszial-neurovegetativ-immunologische System unterer Rücken und iliosakrale innere Hüfte ständig weiter dekompensieren. Aber auch ruhiges Stehen auf ein ein und der selben Stelle bringt nicht wirklich viel mehr Vorteile, keinen wirklichen bioregulativen Trainings-Input.

Speziell bei einem ISG-Rheuma (Sakroiilitis) ist durch die immunpathogene Entzündung hinsichtlich allzu großem Übungseifer eine ganz besonders große Vorsicht geboten. Durch eine weitere intensive "Stressung" sollte das Regulationssystem nicht doch noch chronisch weiter dekompensieren, einer am Ende schließlich definitiv chronifizierten myofaszialen Vernarbung (Fibrose, bzw. Fibrositis) durch unangebrachte, zu intensive Übungen nicht zusätzlich weiter Vorschub geleistet werden. 

Sanftes Yoga bei milden immunpathogenen entzündlichen Reizungen ist im Gegensatz zu intensiveren sonstigen passiven Dehnungen und sonstigen passiven Manipulationen der Muskeln und Faszien zwar grundsätzlich zu befürworten. Yoga (Joga) kennt ja viele verschiedene Schulrichtungen. Bei einer schmerzhaften Faszien-/Bindegewebsüberreizung, einer rheumatischen ISG-Knochenrindenentzündung (enthesitischen Sakroillitis) im entzündlichen Schub könnten manche Übungen die Faszien nachhaltig dekompensieren lassen, indem sie nämlich den Entzündungsprozess eventuell sogar zusätzlich nachteilig stimulieren. 

Personalisierte Übungen und physikalische Anwendungen zum Training des neurovegetativen Regulations-Systems und der Corestability sind dagegen meistens eine sehr gute Option. Aber auch sie sollten während eines entzündlichen rheumatischen Schubes wohldosiert, eben individuell personalisiert angepasst erfolgen.

Faszienrollen erreichen die tiefen Faszien des Iliosakralgelenks ISG, die periostalen Knochenrinden der Hüften und die inneren Faszien des unteren Rückens in der Lendenwirbelsäule, des Spinalkanals und des Steißbeins glücklicherweise zwar nie. Trotzdem: bei einer Entzündung durch immunpathogenes Rheuma oder bei einer immunpathogenen aktivierten Arthrose (Arthritis, Osteoarthritis) und Bandscheibe (Osteochondrose/Diskose mit Spondylose) sind sämtliche Faszienrollen keine wirklich empfehlenswerte Therapieoption.

Vor dem Beginn von "Übungen" für eine sogenannte ISG-("Schutz-")Blockade sollte also stets auch die Möglichkeit eines immunreaktiven Entzündungsgeschehens im Bereich des unteren Rückens und der inneren Hüfte mit den tiefen myofaszialen und neurovegetativen Strukturen bedacht werden. Ein durch eine immunrheumatische Entzündung schmerzendes Iliosakral-/Kreuzdarmbeingelenk mit reaktiv spastisch verkrampften Piriformis physiotherapeutisch, chirotherapeutisch oder osteopathisch zu "mobilisieren" kann nicht empfohlen werden, sind bei einer aktiven rheumatischen Sakroillitis (wie z.B. bei der Frühform einer nur im Kernspin MRT zu erkennenden und mittels spezieller Blutwerte weiter zu analysierenden "nr-axSpa") eher sogar kontraindiziert.

Selbst bei einer Instabilität mit ISG-Blockade / Piriformisspasmus durch Osteo-Arthrose oder Osteo-Arthritis (Rheuma) ist bei fehlenden das ISG muskulär ausreichend zur Stabilisierung fähiger Strukturen sowieso keine wirklich örtlich effektive Muskelaufbau-Übung denkbar. Sämtliche das ISG mobilisierenden Dehnübungen können bei einer ISG-Irritation wie auch einer rheumatischen Sakroiliitis die Instablität mit Ausbildung einer chronischen ISG-Blockade sogar weiter fördern.

Bilder Iliosakralgelenk

Jedes ISG-Syndrom hat mit zunehmender Dauer zunehmende unliebsame Auswirkungen auf die Lebensqualität, auf den Beruf, die Freizeit und leider auch auf die Partnerschaft. Früherkennung und frühe gezielte, ursächliche Therapie ist deshalb immer unabdingbar.

Die Rheumatologie hat in den vergangenen Jahren fantastische Fortschritte in der Frühdiagnostik auch von Rheuma des Rückens einschließlich der Bandscheiben und der Wirbel- und Kreuzdarmbeingelenke sowie der tiefen periostalen Knochenrinden und Faszien gemacht. Doch ist die Frühdiagnose nur in speziellen Kernspins MRTs und mittels serologischer Labortests durch rheumatologisch bestmöglich kompetente Fachärzte zu sichern.

Die Pharmaindustrie wiederum hat sehr teure wirksame medikamentöse Therapien (Biologicals) gegen entzündliches Rheuma entwickelt. Dabei wird jetzt allerdings zunehmend klar, dass die traditionelle bisherige Trennung zwischen einer degenerativen Arthrose mit rezidivierenden Aktivierungen und den bislang als primär rheumatisch klassifizierten Arthritiden, sowie zwischen einer primär degenerativen Faszien-Fibrose und einer primär rheumatischen Faszien-Fibrositis zu simpel war. Durch diese neuen Erkenntnisse werden die bisherigen Vorstellungen von einer ISG-Instabilität, einer ISG-Blockade und einer hiergegen gerichteten ISG-Therapie mittels ISG-Übungen durch Physiotherapie und ISG-Fusion durch Chirurgie noch deutliche Korrekturen, d.h. noch sehr "disruptive" Neuausrichtungen erfahren müssen.

Bitte beachten Sie, daß diese Patienteninformationen in keinem Fall den persönlichen Kontakt zu einem Facharzt Ihres Vertrauens zu ersetzen vermag! Sie sollen lediglich eine breitere Basis zum Verständnis für weiterführende Maßnahmen in einer fachärztlichen Praxis schaffen! Zu Indikation, Risiken und Nebenwirkungen einer Therapie kann nur ein Facharzt Ihres Vertrauens bei einem persönlichen Kontakt rechtsverbindlich informieren!


Im Team stark! Spezialisten für Bandscheibe, ISG und Steißbein

Durch Kooperationen mit spezialisierten Kliniken und Fachärzten aus Oberschwaben, dem Allgäu und der Bodensee Region wird die Versorgung der Patienten mit Bandscheibenvorfall, Iliosakralsyndrom, Facettensyndrom, Hexenschuss, Spinalkanalstenose, Rheuma, Arthrose oder Ischias ständig verbessert. Das Einzugsgebiet für auserwählte Kooperationen umfasst Kliniken und andere Spezialisten in ganz Süddeutschland.