Diagnose und Krankheitsbilder

Der Bandscheibenvorfall

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps) handelt es sich um eine Verlagerung des Bandscheibenkerngewebes, hervorgerufen durch eine Überdehnung oder Zerreissung des Bandscheibenfaserringes, oft mit einer schmerzhaften örtlichen Entzündung im Spinalkanal. Bandscheiben-OP: ja oder nein?

Für einen im MRT genau analysierten Bandscheibenschaden wie einem Bandscheibenvorfall, oft auch als Prolaps der Bandscheibe bezeichnet, existieren bereits minimalinvasiv schonende Interventionen zum bestmöglichen weiteren Bandscheibenerhalt mit nachfolgenden speziellen biorehabilitativen Konzepten: würden Sie sich z.B. bei anhaltenden intensiven Zahnschmerzen heute noch mit einem Rezept für ein Schmerzmittel und dem Ratschlag zu weiterem gründlichem Zähneputzen zufrieden geben?!

Breitbasige Vorwölbungen des Bandscheibenfaserringes in den Rückenmarks-/Spinalkanal und in die Nervenwurzelkanäle werden als Diskus- Protrusionen bezeichnet.

Was ist eine Protrusion = Bandscheibenvorwölbung?

Und: ist die Protrusion weniger relevant als ein Prolaps = Bandscheibenvorfall?

Wann muss eine Bandscheiben OP erfolgen?

Neue diagnostische Möglichkeiten wie die medizintechnische Kernspin-/ Magnetresonanztomografie MRT und neue therapeutische Möglichkeiten wie die endoskopische Spiegelung der Bandscheibe und des Rückenmarkkanals haben zum Umdenken gezwungen.

Das Verhältnis der Breite zur Höhe ist wohl weniger wichtig als die genaue Lokalisation, an der ein hervortretender Bandscheibenanteil in den Rückenmarkskanal hineinragt und die dadurch sowohl eine Kompression wie auch eine örtliche Inflammation (Entzündung) auslöst. Das Eine ist die örtliche Gewebsentzündung durch den überdehnten oder eingerissenen Bandscheibenfaserring. Nicht immer ist es nur das Andere: der dadurch entstandene Druck auf einen "eingeklemmten Nerv". Außerdem kann im Stehen der Druck durch den Oberkörper auf die Bandscheibe eine weitere Verlagerung der Bandscheibe in den Spinalkanal/Nervenwurzelkanal bewirken.

Bei der Definition Protrusion oder Prolaps sollte deswegen öfters auch der dynamische Aspekt, vor allem aber auch die örtliche Gewebsentzündung samt der ausgelösten klinischen Symptome berücksichtigt werden. Zudem kann die Instabilität zwischen zwei Lendenwirbeln durch einen Bandscheibenschaden sich negativ auf die Wirbelfacettengelenke und die iliosakrale Hüftspalte auswirken: Arthrose und Arthritis in der Lendenwirbelsäule und auch im Kreuzdarmbeingelenk (!) durch eine defekte Bandscheibe können die weiteren schmerzhaften Folgen sein.

Selbst dann, wenn der Faserring sehr stark eingerissen ist, und Bandscheibenkerngewebe als Sequester in den Spinalkanal frei oder gedeckt „sequestriert“ ist, kann ein Bandscheibenvorfall immer noch von ganz unterschiedlichen Symptomen begleitet sein. Sequester rufen häufig eine - vorübergehende - örtliche Reizung im Rückenmarkskanal aus; werden aber glücklicherweise im epiduralen Bindegewebe (Faszien...) häufig auch wieder abgebaut und resorbiert. Kleine Bandscheibenvorfälle oder sogar zunächst im MRT "banal" erscheinende Bandscheibenvorwölbungen können - von der Lage abhängig - andererseits sehr massive Symptome auslösen. Das Ausmaß der entzündlich gereizten örtlichen Reaktion und des örtlichen Druckes auf die Ischiasnerven-Wurzeln sind deshalb immer mindestens so wichtig wie die Beschreibung von Größe und Breite eines Diskusprolaps oder einer Diskusprotrusion.

Der erfahrene Spezialist wird die Möglichkeiten zur konservativen Therapie, d.h. die Bandscheibe bestmöglich erhaltenden Interventionen einschätzen und gegebenenfalls auch nutzen. Denn die Gefahr nach einer eingreifenden operativen Entfernung von Bandscheibengewebe sind

- die anschließende epidurale Narbenbildung

- und der weitere oft rapide Kollaps der Zwischenwirbelscheibe mit instabilen Lendenwirbeln, schnell fortschreitender Arthrose der Lendenwirbelsäule, der iliosakralen Knochenspalte und die Spinalkanalstenose mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Ischias und unsicheren Beinen. 

Deshalb sollten heute viele Hoffnungen auf dem biologischen Erhalt der Bandscheibe und ihrer Funktionen in der Lendenwirbelsäule ruhen. Nicht jede Bandscheinenvorwölbung Protrusion und nicht jeder Bandscheibenvorfall Prolaps müssen abhängig von diesen Definitionen oder vom Vorhandensein eines Bandscheiben-Sequesters operativ entfernt werden. Protrusion, Prolaps und Sequester - aber auch Arthrose, Arthritis, ISG-Syndrom & Ischias bedürfen der möglichst intensiven Analyse und sehr speziellen Expertise!

Schmerzen im unteren Rücken, in der Hüfte oder als Ischias bis in`s Bein ausstrahlend?!

Ein Bandscheibenvorfall Prolaps oder ein Bandscheibenvorwölbung Protrusion, aber auch ein Facettensyndrom oder einem ISG-Syndrom mit Piriformis-Spasmen, also ein Piriformis-Syndrom mit eingeklemmtem Ischias-Nerv können Ischias-Schmerzen auslösen. 

Ischias, Hüft- und Rückenschmerzen können also durch geschädigte Bandscheiben der Lendenwirbelsäule, oft aber auch durch das Kreuzdarmbeingelenk, die Faszien und den Piriformismuskel ausgelöst werden!

Das Ausmaß einer Bandscheiben-Entzündung oder einer Entzündung des (epiduralen) Gewebes im Rückenmarkskanal können zu unterschiedlich intensiven Symptomen führen.

Manchmal sind diese Symptome selbst bei einem großen Bandscheibenvorfall mit freien Sequester nur sehr gering bis fehlend. Und umgekehrt selbst sich geringfügig darstellende Bandscheibenvorwölbungen und geringe Verschiebungen eines Lendenwirbels beim Liegen in der Kernspin- Röhre dann im Stehen und auch im Sitzen wieder äusserst massiv ausgeprägt sein!

Die Stabilität des Kreuzbeins zwischen den beiden Darmbeinen im Becken spielt hier eine zunehmend besser verstandene wichtige Rolle: Iliosakralinstabilität! Und damit häufig verbunden die Spastik im Piriformis Muskel.

Das Kreuzbein ist das Fundament der Lendenwirbel. Wegen seiner tiefen Faszien und dem von ihm entspringenden, zum eigentlichen Hüftgelenkes ziehenden Piriformismuskel kann es zu starken tiefen Rückenschmerzen, Hüftschmerzen und Ischias kommen. Der große Ischiasnerv zieht zusammen mit diesem Muskel aus dem Beckenraum, unter dem Po durch in den Oberschenkel, über`s Knie bis in den Fuß und die Zehen:

Das ist das klassische "Piriformis-Ischias-Syndrom" - also Ischias ohne Bandscheibenvorfall. Natürlich können beide Ischias Ursachen gleichzeitig vorliegen: Prolaps/Protrusion und Piriformis:

Ischias-Symptome/Nervenschmerzen müssen immer besonders ernst genommen werden. Bei einer Beteiligung von einer oder mehreren Nervenwurzel sowie der örtlichen vegetativ autonom arbeitenden ganglionären Nervenfasergeflechte im Spinalkanal und in den seitlichen Nervenaustrittskanälchen kann es zu einem massiv ausstrahlenden Nervenschmerz bis in den Fuß kommen.

Aber auch  intensive örtlichen Schmerzen im unteren Rücken, im Becken und in den Hüften gehen häufig sowohl von der Bandscheibe wie vom Kreuzbein und der iliosakralen Knochenspalte aus. Sowohl die örtliche Kompression als auch die örtliche Entzündung tragen zu diesen radikulären, pseudoradikulären und vegetativ-ganglionären Nerven-Schmerzen bei.

Bei starkem Druck auf Nervenwurzeln tritt häufig ein stärkeres Taubheitsgefühl ein, mitunter sogar Muskel-Lähmungen in Bein und Fuß. Das Gangbild ist dann oft erheblich beeinträchtigt, das Gehen auf den Zehenspitzen oder auf den Fersen, aber auch Treppensteigen/Treppabgehen recht massiv beeinträchtig. In solchen Situationen sollte möglichst schnell und gezielt eingegriffen / interventiert werden!

Nicht zu verschweigen ist schließlich auch die bedauerliche Tatsache, dass andauernde schmerzhafte Überreizungen von Nervenwurzeln & Ganglien - aber auch von Faszien / Bindegewebe - manchmal schnell zu einer zentralnervös fixierten "Chronischen Schmerzkrankheit" führen kann. Hier sind ganz spezielle, umfassende multimodale therapeutische Optionen bis hin zum Schmerzschrittmacher zu prüfen und dann gegebenfalls auch durchzuführen. Oft kann nur noch so das weitere Leben dieser "Schmerzpatienten" auch ohne die häufigen unerwünschten Nebenwirkungen vieler Medikamente wieder lebenswert werden lassen. 

Bilder Bandscheibenvorfall

Die noch oft vorzufindenden "Diagnosen Lumbalgie und Lumboischialgie" sind mit Fremdworten beschreibende Symptome und keine wirklich zielführenden Diagnosen. Den Lumbalgie heißt wörtlich übersetzt nur Lendenschmerz und Lumboischialgie nur Lenden-Ischias/Hüft-Schmerz.

Nach Schilderung der Symptome wird der weitere körperliche Untersuchungsbefund erhoben. Orthopädie der Lendenwirbelsäule, Kreuzdarmbeingelenke, Hüftgelenke und zusätzliche Neurologie wie Reflexe, Lähmungen und Gefühlsausfälle. Beim Orthopäden werden immer noch oft auch Röntgenbilder gemacht: und dann vielleicht knöcherne Verschleißzeichen festgestellt. Die Bandscheibe selbst und die Strukturen des Wirbelkanals wie das Ligamentum flavum (Bindegewebsauskleidung des Rückenmarkskanals) und die Wirbel- Facettengelenke können so aber nicht definitiv erfasst werden. Deswegen bedarf es bei einem entsprechendem Verdacht einer weiteren speziellen Schnittbildgebung mittels MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie) oder seltener auch mittels der Röntgen-Röhre Computer-Tomografie CT. Selbst bei so massiven Symptomen wie Lähmungen in den Beinen würde heute kein Chirurg eine gezielte Operation am Rücken ohne Schnittbildgebung MRT/CT durchführen können und dürfen.

Werden im MRT Befundauffälligkeiten an Bandscheiben, Lendenwirbelkörpern, Wirbelgelenken, Rückenmarkskanalauskleidung oder weiteren Strukturen des unteren Rückens festgesellt, muss eine klinische Wertung von einem erfahrenen Spezialisten vorgenommen werden. Große Massenvorfälle mit kompletter Verlegung des Wirbelkanalquerschnitts sind glücklicherweise sehr selten – es überwiegen die eher diskreteren, oft in Kombination mit weiteren Veränderungen auftretenden Bandscheibenverlagerungen: Osteochondrosen, teilweise mit Modic- Aktivierungen und Spondylarthrosen, ebenfalls teilweise mit Aktivierungen (=Reizzeichen).

Neben der betroffenen Etage, also z.B. zwischen dem 4. und 5.  Lendenwirbel,  kurz als Etage L4/L5 bezeichnet werden also neben dem Ausmaß der Bandscheibenverlagerung auch die Auffälligkeiten der näheren Umgebung des Wirbelkanals und des unteren Rückens Berücksichtigung finden.  Besteht z.B. ein Knochenödem in den Lendenwirbelkörpern? Sind arthrotische Wirbelgelenke mit Flüssigkeit gefüllt, dehnen sie sich in die Nervenaustrittskanäle aus? Ist die Bandscheibe noch gut wasserhaltig/hydriert oder schon eingetrocknet, verschmälert und unelastisch?

In den letzten beiden Jahren wird zunehmend auch auf die Beschaffenheit der die Lendenwirbelsäule umfassenden Muskeln und Faszien geachtet: sind die Rückenmuskeln schon verschmächtigt, haben sie sich narbig – verfettend zurückgebildet?

In einem Kernspin MRT kann also eine ganze Fülle von Informationen erhalten werden - deutlich über die Fragestellung "Bandscheinvorfall?" hinaus. Zunehmend rückt bei der Abklärung des unteren Rückens aber auch das zwischen den beiden Darmbeinen der inneren Hüfte elastisch über feste Faszien einge-fügte ("einge-hängte") Kreuzbein in`s Interesse der Orthopädie, Neurochirurgie, Physikalischen und Rehabilitativen Medizin. Die Radiologen müssen zunehmend auch hierzu entsprechende MRT, seltener CT-Schichtaufnahmen "liefern". Oft finden sich gleich mehrere Auffälligkeiten in MRT oder CT.  In vielen Fällen wird, trotz penibel erhobener Anamnese und ebenso penibler, sorgfätiger Erhebung der ärztlichen klinischen und der weiterführenden manualmedizinischen körperlichen Untersuchungsbefunde erst eine gezielt bildgeführte diagnostische Lokalinfiltration DLI zur weiteren Klärung beitragen. Und diese DLI ist dann oft auch schon die Überleitung zur therapeutischen Lokal-infiltration TLI, mit der sie die Leid-geprüften Patientinnen und Patienten mit langer Leidensgeschichte immer noch recht häufig verwechseln. Diese diagnostischen/infiltrativen "Blockaden" an der Lendenwirbelsäule und an der inneren Hüftspaltesind aber für die weitere exakt zielgerichtete Behandlungsplanung unerlässlich. Extrem selten wird heute also noch ausschließlich ein MRT oder auch CT die sofortige Einweisung zu einer Operation an innerer Hüfte und unterem Rücken rechtfertigen.

Segmentinstabilitäten mit Wirbelgelenkarthrose und narbigen Wirbelkanalveränderungen/Spinalkanalstenosen, aktivierte Zwischenwirbelraumveränderungen (Modic), Faserringüberdehnungen und Teileinrisse (HIZ) und vor allem auch Veränderungen der tief liegenden thorakolumbalen Rückenfaszie mit schmerzhaft dekompensierender iliosakraler Hüft-Region bedürfen ebenso einer ganz eingehenden, besonderen Beachtung und gezielten Therapie.

Moderne sonographische Ultraschalluntersuchungstechniken erlauben zunehmend auch eine technische apparative Dokumentation von Spannungszuständen und Verklebungen tiefer bindegewebiger Rückenfaszien. Diese durch Übersäuerung/Verschlackung oft entzündlich überreizten und narbig verhärteten und verklebten Bindegewebsstrukturen gewinnen in der modernen Regenerationsmedizin eine zunehmende Relevanz. Meistens wird aber auch dann erst die in vielen Jahren durch unzählige Male Tag täglich wiederholt geübte und erfahrene  tastende Hand des Arztes die richtige Beurteilung und weitere gezielte Therapie solcher biopathologischer Bindegewebsveränderungen erlauben.

Das von Anfang an angestrebtes Ziel ist aber, die Bandscheibe nach einem Prolaps oder einer Protrusion oder einer Modic-Diagnose vor dem zunehmenden Kollaps mit kompletter Funktionsdekompensation, Instabilität, Gleitwirbel, Arthrose und Spinalstenose schon möglichst frühzeitig und möglichst schonend ursächlich zu bewahren!

Jeder Prolaps sollte genauer analysiert werden: Bandscheibenvorfall ist nicht gleich Bandscheibenvorfall! Und ohne Sie medizinisch überfordern zu wollen: es lohnt sich, etwas genauer hinzuschauen. Um in der Sprechstunde bei der Besprechung der Kernspintomografie MRT die Überlegungen zu einer wirklich passenden, tragfähigen individuellen Behandlungsmöglichkeit besser verstehen und nachvollziehen zu können. Denn nur wer tatsächlich umfassend informiert ist, muss sich bei der wichtigen Mitentscheidung für eine jetzt möglichst langfristig zufrieden stellende Maßnahme an und in der Bandscheibe sowie dem Spinalkanal nicht allein nur auf sein Vertrauen und sein "Bauchgefühl" verlassen.

Eine sehr differenzierte und individuelle Analyse der strukturellen Schäden sowohl des inneren Bandscheibenkerns, seines äußeren Faserringes sowie aber auch der angrenzenden Lendenwirbel, der Wirbelgelenke ist sehr wichtig. Ebenso aber auch die Beurteilung des mit einem ganz besonders empfindlichen, sensibel reagierenden Bindegewebe ausgekleideten Spinalkanals. Nur wer sich alle Details erklären lässt, kann sich selbstbestimmt zur möglichst gezielten, die Strukturen und die Funktionen bestmöglich erhaltenden Therapie entscheiden. Außer den Nervenwurzeln spielen im Rückenmarkskanal auch die feinfaserigen vegetativen Nervengeflechte des (epiduralen) Bindegewebes im Spinalkanal und der Rückenmarkshäute eine wesentliche regulative Rolle. Sie haben mit ihren vegetativen "Relais-Stationen" im jeweiligen segmentalen Nervenhinterwurzelknoten eine äußerst wichtige Funktion in der Feinsteuerung des Spannungszustandes der tiefen Faszien und der Selbst-Wahrnehmung der inneren Körperspannung.

Schmerzmittel, Übungen und auch Kortison in Form von Tabletten oder Infusionen sind nicht spezifisch, haben ebenfalls Risiken und Nebenwirkungen. Das Kernspin MRT bietet dem geübten Auge den bestmöglichen Einblick in den Rücken und auch in die innere Hüfte mit  Veränderungen des betroffenen Zwischenwirbelraumes, der inneren Hüftspalte und des Rückenmarkskanals. Um so nicht nur den Schmerz zu "bekämpfen" oder zu "betäuben", sondern auch den drohenden Dauerschäden, d.h. den Kollaps der Bandscheibe mit Segmentinstabilität, Arthrose, Spinalkanalstenose individuell maßgeschneidert noch bestmöglich zu verhindern!

Die fachärztliche spezialisierte und  individualisierte Zielsetzung differenziert also bestmöglich zwischen Veränderungen innerhalb und außerhalb des Bandscheibenfaserringes, berücksichtigt aber auch die vielleicht bereits schon eingetretenen Begleitveränderungen der Lendenwirbel, Wirbelgelenke und des bindegewebig ausgekleideten Rückenmarkskanals:

Auch die verknorpelten Grund- und Deckplatten der angrenzenden knöchernen Lendenwirbelkörper sowie etwaige Auffälligkeiten der Wirbelgelenke eines bandscheibengeschädigten  Abschnittes sollten möglichst subtil und individuell mit analysiert werden. Besteht schon eine Arthrose des Wirbelgelenkes (Spondylarthrose)? Haben sich in den Wirbelkörpern Ödemzonen (Osteochondrosen/Modic Changes) gebildet? Weisen die Wirbelhinterkanten knöcherne Erker Erker (Spondylophyten/Spondylose) auf? Besteht zusätzlich zu dem Bandscheibenvorfall Diskusprolaps (Diskushernie / Nukleus Pulposus Prolaps) eine Diskusdegeneration, eine eingetrocknete Bandscheibe, d.h. ein MRT mit "black disc" oder auf "Neu-Deutsch" eine DDD = Degenerative Disc Disease?

Bei einem Bandscheibenvorfall kann eine vom Faserring noch überdeckte Diskushernie von einem durch den Faserring hindurch getretenen sequestrierten Prolaps (Sequester) unterschieden werden. Beide können - müssen aber nicht - auf eine Nervenwurzel im Rückenmarkskanal drücken: dann ist natürlich auch die Nervenwurzel schnellstmöglich mit zu retten!

Leider hinterlässt aber die bislang noch sehr gängige chirurgische Bandscheibenkerngewebsentfernung "Nukleotomie" häufig auch mehr oder minder starke Narben im epiduralen Bindegewebe des Rückenmarkskanals.

Außerdem wird oft noch "ein bißchen mehr" Bandscheibenkerngewebe aus dem Zwischenwirbelraum entfernt: um zu verhindern, dass nochmals neues Bandscheibenkerngewebe "nachrutscht" oder "nachschiebt" und wieder in den Rückenmarkskanal "fällt".

Durch diese manchmal recht großzügige "Ausräumung" des Zwischenwirbel"faches" kommt es aber doch immer noch leider recht häufig zum Segmentkollaps, mit Instabilität, Gleitwirbel, Arthrose, Spinalkanalstenose. 

Deswegen werden seit einiger Zeit neue Wege zur "Rettung der Bandscheibe" beschritten: minimalinvasive Methoden, bildgesteuert und auch endoskopisch kontrolliert, mit feinen Kanülen, Faßzangen und chirurgischem Laser, hochfrequenter Radiofrequenz. Es wird versucht, den örtlichen Defekt im Bandscheibenfasering möglichst minimalinvasiv zu verschließen und den Volumendefekt durch neue Biomaterialen, Biofaktoren und auch Stammzellen (ADCT) zu ersetzen: den Segmentkollaps bestmöglich zu verhindern.

Die Nervenwurzel und das Spinalganglion im überreizten epiduralen Bindegewebe des Spinalkanals kann durch PRT PeriRadiculäreTherapien und auch großflächigere epidurale Injektionen durch das Kreuzbein, teilweise sogar mit  den naturheilkundlich bewährten biologischen Präparaten (im "Off-Label-Use") minimalinvasiv bildgesteuert behandelt werden.

Viel hängt aber von den individuellen örtlichen Gegebenheiten des betroffenen Lendenwirbelsäulenabschnitts ab, - aber auch von eventuellen Allgemeinkrankheiten / Begleitleiden. Und nicht zuletzt von der individuellen Bereitschaft und Fähigkeit der Patientinnen und Patienten zur Kooperation: ob und wie bei einem  Bandscheibenvorfall eine allgemeine Schmerztherapie mit Schmerzmittel und KG erfolgt oder doch möglichst gezielt der Bandscheibenvorfall oder weitere Bandscheibenschäden selbst behandelt werden können.

Sämtliche Möglichkeiten können sehr individuell, d.h. personalisiert maßgeschneidert besprochen und dann eventuell genutzt werden:

die Grundvoraussetzungen bleiben aber immer die Kenntnis der aktuellen Situation im Kernspin MRT, der zugehörigen Symptome, die Erfahrung, das Geschick und die technische Austattung der Praxis des fachärztlichen Interventions- und Rehabilitations- Spezialisten sowie vor allem natürlich der unbedingte und aktive Mitwirkungswille der bestmöglich umfassend informierten und aufgeklärten Patientinnen und Patienten.

Das gilt in ganz besonderem Maße für anschließende spezielle neurochirugische/sensomotorische Rehabilitation zur wieder bestmöglichen Regeneration der Segmentstabilität. Die neurovegetative Re-Integration des betroffenen Segmentes und die sensomotorische Re-Konditionierung der tiefen Corestabilisatoren Psoas und Piriformis erfordern regelmäßiges eigentätiges Üben und ziemlich viel Geduld, sind aber durch neue personalisierte Online-Optionen wesentlich kurzweiliger, interessanter und deutlich effizienter als das bisherige manchmal wirklich etwas öde "Üben" geworden.

Bei zu weit fortgeschrittenen Schäden von Bandscheiben, Spinalkanal oder der iliosakralen inneren Hüfte mit drohendem Verlust der Mobilität und Selbständigkeit ist  ein chirurgischer operativer Eingriff nicht immer vermeidbar! Auch akute Blasen-Mastdarm-Entleerungsstörungen stellen z.B. einen sofort anzugehenden medizinischen Notfall dar.

Bei Gefühlsstörungen und schwachen Lähmungserscheinungen kann andererseits eine konsequente örtlich gezielte minimalinvasiv abschwellende Infiltration in Verbindung mit physikalischer Neuromobilisation und sensomotorischem Training ausreichend sein. Bei anhaltenden, eventuell sogar zunehmenden Lähmungen und Taubheitsgefühlen sollte aber rechtzeitig ein den Spinalkanal möglichst schonender minimalstinvasiver Eingriff erfolgen.

Schwere Stenosen mit Beeinträchtigung der Gehfähigkeit,  Unsicherheit in den Beinen und/oder  massiven instabilen Segmentdekompensationen bedeuten ebenfalls eine Indikation zum möglichst schonenden dekomprimierenden und/oder stabilisierenden Eingriff. Die Lernkurve für solche sehr verantwortungsvollen minimalinvasiven „Schlüsselloch-Operationen“ ist mitunter sehr flach, das heißt, der Chirurg muss bei solchen Eingriffen über eine entsprechende lange/große Erfahrung verfügen! Wir arbeiten hier nur mit solchen Spezialisten in größeren OP-Zentren zusammen.

Spezielle bioregenerative Interventionen, die in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Mediziner, aber auch der Bandscheibenpatientinnen und –patienten gerückt ist, betreffen vor allem die Methode ADCT, also der autologen Discuszellen Transfers mittels körpereigener, bei einem Bandscheibenvorfall entnommener körpereigener Bandscheibenzellen. Diese werden in speziellen Laboratorien mittels bioaktiver Faktoren „stimuliert“/ „gezüchtet“ und nach Monaten wieder in ihren angestammten Zwischenwirbelbandscheibenraum eingebracht. Die Methode klingt bestechend einfach. Doch ist sie nur bis zu einem bestimmten Ausmaß des Verschleiß` denkbar. Probleme bereitet aber auch der „dichte Verschluss“ des defekten Bandscheibenfaserrings, durch den die Bandscheibenzellen ja ausgetreten waren. Auch der Anschluss der re-implantierten Bandscheibenzellen an die versorgenden Blutgefäße in den Wirbelkörpern sowie die bestmögliche physikalische Stimulation der "Frischzellen"  bedürfen noch der Evidenz basierten weiteren Klärung. Fest steht aber wohl schon jetzt, dass bei der Physikalischen, biologischen Rehabilitation der Bandscheibe völlig neuartige, die Faszien und die neuromyofasziale Sensomotorik und das Vegetativum integrierende Aspekte gegenüber den rein auf Statik und Muskelkraft beruhenden bisherigen Aspekten mehr und mehr in den Vordergrund rücken werden. Der beste bio-interventionelle Eingriff kann nur so gut sein, wie es die korrekte Indikation, die minimalinvasiv schonende Performance sowie das sofort daran anschließende - und erst längerfristig Erfolg versprechende - personalisierte sensomotorische Rehatraining begründen. 

Kann einem Bandscheibenvorfall, d.h. der Verlagerung von Bandscheibenkerngewebe und dem Einriss des Bandscheibenfaserringes überhaupt vorgebeugt werden?!

Oder kann lediglich weiteren Folgeschäden wie Segmentinstabilität , Segmentkollaps, Arthrose, Stenosierung des Rückenmarkskanalabschnitts und der Nervenaustrittskanäle vorgebeugt werden?

Im Vordergrund stehen sämtliche Maßnahmen zum bestmöglichen Erhalt funktionell belastbarer Zwischenwirbelscheiben - und je früher diese zur Anwendung kommen, desto besser wird deren präventives Ergebnis auch ausfallen!

Herrschte bislang noch die Meinung, dass körperliche Schonung und das Vermeiden von häufigem Bücken einer Bandscheibengesundheit besonders zuträglich seien, ist in der „neuen Rückenschule“ das Prinzip Training der Sensomotorik an deren Stelle getreten. Nicht allein die Rückenmuskeln, sondern vor allem auch die beiden inneren Corestabilisatoren Psoas und Piriformis sowie der sensibel die Körperspannung regulierenden bindegewebigen Strukturen des Rückens wie Bandscheiben, Kreuzdarmbeinfugen und tiefe Faszien müssen in einem bestmöglichen Trainingszustand gehalten werden!

Aktives Faszientraining, das vielen Yogaübungen ähnelt, eignet sich hierzu in ganz besonderem Maße. Aber auch Aspekte der Genetik/Epigenetik, des endokrinen Hormonsystems und der Ernährung sowie vor allem der Körperselbstwahrnehmung/ Sensomotorik bedürfen in Zukunft wohl einer wesentlich größeren Beachtung. Individuelle, personalisierte Gegebenheiten rücken immer mehr in den Vordergrund und einfach gestrickte, für jede/jeden passende Rezepte sind aber mit großer Vorsicht zu genießen. 

Ich habe mich in den letzten Jahren neben den speziellen biostimualtiven bildgesteuerten Eingriffen an unterem Rücken und innerer Hüfte sehr intensiv vor allem mit dem neuen Faszien-"Hype" beschäftigt, war auf vielen Schulungen und habe für mich erkannt, dass vieles davon früher schon in der Physikalischen Therapie und Balneologie, der Sportmedizin, der Osteopathie und auch der Rheumatologie Grundlage heilkundlicher Tätigkeiten war.  Methoden aus dem fernen Osten haben über die amerikanische Westküste mittlerweile auch Eingang in den Mainstream der westlichen Ganzheits- und Regenerationsmedizin gefunden. Die traditionelle chinesische Medizin TCM, Yogaschulen, aber auch weitere Methoden führen heute in ihren unterschiedlichen Varianten kein Nischendasein mehr.

Sogar die auf eine sehr lange Tradition zurückblickende „Orthopädietechnik" und die "Hilfsmittelversorgung“ hat sich der Denkweise der neuen Konzepte anzupassen begonnen. Sensomotorisch stimulierende, propriozeptiv aktivierende Einlagen, Faszienrollen, Fitness-Tools und Fitness-Devices sind mittlerweile in fast unübersehbarer Zahl angeboten. Der neue Mega-Trend wird wohl Online-Tracking und personalisierte Gamification sein. Beinlängenausgleich bei Beckenverwringung durch verklebte Faszien und dekonditionierte Corestabilisatoren, sowie passiv bettende Schuheinlagen mit Quer- und Längsgewölbe-Stütze bei Fußformveränderungen, aber auch große Überbrückungs-Orthesen sind ebenso wie die früheren Ruhigstellungen in Gipsen und Gips-Schalen insgesamt momentan wohl eher auf dem Rückzug. 

Die Physikalische Therapie und Balneologie, also die Heilkunde mit verschiedenen Strom-Arten, Packungen, differenten Massage-Techniken mit Klima-, Heilwässer-/Bäderheilkunde, hat sich in den sich neu orientierenden Denkweisen neu auszurichten begonnen. Spezielle Massagetechniken wie die Manuelle Lymphdrainage, die Periostmassage, die Bindegewebsmassage, aber auch die Klassische Massage hat ebenso wie spezielle Elektrotherapien einschließlich Stanger-Bädern, Mittelfrequenzstromdurchflutungen etc. wieder Zugang zum Mainstream gefunden. 

Die bestmöglich durchgeführte Operation und minimalinvasive Intervention bleiben ohne individuelle, personalisiert strukturierte Rehabilitation meist reines Stückwerk. Noch aber gibt es hierzu kaum evidenzbasierte Wissenschaft, so vor allem bei den Eingriffen am unteren Rücken und der iliosakralen inneren Hüfte.  Bei der Behandlung von Bandscheibenleiden, insbesondere also auch von Bandscheibenvorfällen und Segmentinstabilitäten mit aktivierten Osteochondrosen und Spondylarthrosen/Spondylosen, aber bei auch Instabilitäten, Arthrose und Sakroiilitis der inneren Hüfte konkurrieren verschiedene physiotherapeutische Schulen immer noch um Alleinstellungsmerkmale und Therapiekompetenz.  Evidenz/Effektivität vieler Methoden lassen mitunter aber noch deutlich zu wünschen übrig. Ruhigstellung, Stufenlagerung, den-Rücken-gerade halten und sich-massieren-lassen sind aber mittlerweile von den wesentlich aktiver gestalteten, vor allem auch sensomotorischen, Trainingskonzepten abgelöst worden.

Ein wiederkehrend "blockiertes Kreuzdarmbeingelenk" kann z.B. in dem einen Fall ein hilfreicher Schutzreflex des Piriformis sein, in manchen anderen Fällen aber doch eine Reintegration des bislang dekompensierten Bandscheiben-/Lendensegments in die harmonische Gesamtmobilität von unterem Rücken im hinteren Becken und den Hüftgelenken selbst eher verhindern. Die erfahrende Hand eines sehr spezialisierten Arztes oder/und Physiotherapeuten/Masseurs ist auch hier in vielen Fällen einfach durch kein starres Schema zu ersetzen.

Ab wann die Überleitung zu einer sensomotorisch regenerativ-effektiven und eigenverantwortlichen Weiterübung in eigener Regie erfolgen kann und wie diese auch bei der Re-Integration im Alltag einsetzbar wird, muß aber immer im Einzelfall und in einem persönlichen Kontakt entschieden -  und dann auch verantwortet werden.

Sprechen sie mit ihrem behandeltem Arzt, geschulten Therapeuten und Fitnesstrainer darüber, welche den ihrer persönlichen, individuellen Situation entsprechenden Möglichkeiten bestehen -  und wie diese dann auch umgesetzt werden können! Physiotherapie als Dauerverordnung ist in diesem Kontext extrem selten wirklich notwendig und vernünftige Sport-Arten wie Walken, Joggen, Biken, Schwimmen, Fitness, etc.  sollte in einem konsequenten Trainingskonzept sobald wie möglich wieder erlaubt werden. Die Sportmedizin hat zusammen mit der physikalischen Therapie und mit den neuen Technologien bislang ungeahnte neue Optionen eröffnet!

Sportmedizinische Hightech-Sensomotorik in der Diagnostik, die moderne Orthetik und vor allem auch die an den bindegewebigen Faszienstrukturen orientierte neue Hightech-Trainingstherapie unter Zuhilfenahme auch von elektrischen/elektromagnetischen Impulsen erleben auf den großen internationalen Messen kaum zu fassenden und bis vor kurzem noch nicht für möglich gehaltenen Super-Boom.

Die Weiterentwicklung von „Wackelbrettern“ mit Gymnastikbällen über Wii-Konsolen,  EMS/EMA Elektromuskelstimulations-Anzügen, weitere „Wearables“, Fitness-Tools mit Online-Anbindung etc. haben die traditionelle Rehabilitationsmedizin in Richtung einer personalisiert leistungssteigernden, biostimulativen und auch kurzweiligeren Regenerationsmedizin abzulösen begonnen.


Im Team stark! Spezialisten für Bandscheibe, ISG und Steißbein

Durch Kooperationen mit spezialisierten Kliniken und Fachärzten aus Oberschwaben, dem Allgäu und der Bodensee Region wird die Versorgung der Patienten mit Bandscheibenvorfall, Iliosakralsyndrom, Facettensyndrom, Hexenschuss, Spinalkanalstenose, Rheuma, Arthrose oder Ischias ständig verbessert. Das Einzugsgebiet für auserwählte Kooperationen umfasst Kliniken und andere Spezialisten in ganz Süddeutschland.